Die Möhne verbindet die Gemeinden Niederbergheim, Allagen, Mülheim/ Sichtigvor, Waldhausen und Belecke (von links nach rechts)
Silbernes Priesterjubiläum von Pastor Markus Gudermann

Foto: Warsteiner Anzeiger / Reinhold Großelohmann



Bericht von Reinold Großelohmann, Warsteiner Anzeiger, Ausgabe vom 3.6.2017

Vor elf Jahren zog Markus Gudermann ins Belecker Pfarrhaus ein. Die Initialen „M“ und „G“ im Wappen über der Eingangstür fielen ihm aber erst später auf. Aber es passte – auch wenn die Steinmetze einst wohl eher im Sinn hatten, auf die Zugehörigkeit der Belecker Pfarre zum „Monasterium Grafschaft“, Kloster Grafschaft, zu verweisen.
Pudelwohl fühlt sich Markus Gudermann in Belecke. Dennoch zieht er als gebürtiger Sunderaner in wenigen Wochen weiter. Es geht acht Minuten näher an die alte Heimat. Genauer: Er zieht von der Wester an die Wäster. Bevor er aber als Leiter des neuen Pastoralen Raums Warstein im Warsteiner Pfarrhaus die Wohnung von dem nach Lippstadt wechselnden Thomas Wulf bezieht, feiert der 51-Jährige am Sonntag, 11. Juni, erst einmal Silbernes Priesterjubiläum.

Dass es ihm vergönnt ist, zu diesem wichtigen Ereignis im Leben eines Priesters gleichzeitig eine solch neue Herausforderung angehen zu können, macht Markus Gudermann dankbar. „Ich glaube, ich habe immer Glück gehabt. Es ist eine glückliche Fügung gerade an diesem Punkt in meinem Leben“, sagte der 51-Jährige gestern im Gespräch mit unserer Zeitung. „Das war für mich nicht absehbar, vor einem Jahr hätte ich nicht daran geglaubt.“

Dabei hatte er selbst Anteil an der Entwicklung. Zu Anfang des Jahres habe er mit Blick auf die  vom Erzbischof angekündigte Schaffung des Pastoralen Raums Warstein und die damit einher gehende Auflösung der beiden Pastoralverbünde Möhnetal und Warstein gespürt: „Das lähmt mich!“ Die Ungewissheit, wie es weiter geht, wurde ihm zur Last. Also bat er um einen Termin beim Personalchef in Paderborn. „Ich hatte den Wunsch, etwas klarer zu sehen.“ Dass ihm hier „eine Tür aufgemacht“ wurde und sowohl Erzbischof als auch Generalvikar erklärten, ihm mit Blick auf den Wechsel von Thomas Wulf nach Lippstadt die Leitungsaufgabe in Warstein übertragen zu wollen, überraschte und erfreute ihn. „Das hatte ich nicht geglaubt“, gestand Gudermann.
Nun aber hält er den Zeitpunkt für ideal. Die neue Aufgabe ist für ihn mit einem Ortswechsel  verbunden: Von dem im Schatten der Propsteikirche gelegenen schönen Pfarrhaus mit herrlichen Pfarrgarten und weitem Blick über den ganzen Ort Belecke geht es ins Warsteiner Pfarrhaus, hinter der Kirche mit Zufahrt zum Parkdeck und Blick auf Tiefgarage.

„In Belecke fühle ich mich angenommen“, lässt Markus Gudermann keinen Zweifel daran, dass sein Herz durchaus im Takt des Ortes schlägt. Ob er in dem guten Jahrzehnt ein echter Biälske Jung geworden ist? „Da sage ich nur aus diplomatischen Gründen Nein“, schmunzelt Gudermann. Aber er sei überzeugt: „Für diesen Neuanfang ist ein Ortswechsel wichtig!“
Dass er dennoch kürzlich, als der Erzbischof mal wieder bei ihm an der Tür geschellt habe, darauf zu sprechen gekommen sei, ob ein großer Pastoraler Raum nicht auch von einem Ort aus geleitet werden könne, der geografisch zentraler liege und im Falle von Belecke nicht eine so große Entfernung zu den Möhnetal-Gemeinden habe, erzählt Gudermann dennoch frank und frei. Aber Hans-Josef Becker habe darauf hingewiesen, dass es im ganzen Erzbistum das Prinzip gebe, dass Dienstsitz immer in der größten Gemeinde sei. Im übrigen sei er, was seine Heimatgemeinde angehe, befangen. Für Markus Gudermann ist diese Argumentation gut nachvollziehbar – und damit der Wechsel von der Wester an die Wäster trotz Tiefgarage ein freudiges Ereignis.

Ein Vierteljahrhundert lang ist Gudermann nun schon Priester. In Sundern wuchs er mit einem älteren Bruder und einer älteren Schwester in der Familie auf. Auch heute noch sind die Kontakte zu Eltern, Geschwistern, Nichten und Neffen intensiv. „Inzwischen bin ich sogar schon Großonkel“, freut er sich über die enge Bindung und das Miterleben familiärer Veränderungen.

Nach anfänglichen Ambitionen, den Berufs des Schreiners zu ergreifen, hatte er in Paderborn nach dem Abitur das Theologiestudium aufgenommen. Als Jugendlicher hatte er intensiv kirchliche Jugendarbeit erfahren. Nach zwei Freisemestern in Innsbruck trat er 1990 ins Priesterseminar ein. 1992 wurde er im Dom zu Paderborn zum Priester geweiht.

Markus Gudermann hatte den ersten Kontakt zu Belecke bereits 1993. Als junger Vikar machte er seine ersten Schritte in der Kirchengemeinde Ense und besuchte mit Pastor Franz Forthaus die gerade eingeweihte Belecker Schatzkammer. Anlass war der enge Kontakt des Bremer Pfarrers zu dem ebenfalls aus Bremen stammenden St. Pankratius-Pfarrer Fritz Spiekermann. Damals konnte keiner ahnen, dass der junge Vikar 13 Jahre später als Nachfolger von Hans-Gerd Westermann die Regie im Belecker Pfarrhaus übernehmen würde.
Zuvor musste der gebürtige Sunderaner noch vier Vikarsjahre in Iserlohn absolvieren und im Jahr 2000 die kombinierte Stelle eines Pastors in den Bürener Dörfern Siddinghausen und Weine sowie des Diözesanpräses der Landjugend in Paderborn übernehmen. Im KLJB-Diözesanbüro sammelte er sechs Jahre lang auch Leitungserfahrung.

Am Donnerstag schaute er an der Seite von Thomas Wulf bereits in Suttrop vorbei, in Hirschberg und Warstein hat er schon Gottesdienste gefeiert, so dass er auf vertrautem Terrain den Neuanfang vornimmt. Dennoch ist ihm bewusst, dass die zukünftige Leitungsaufgabe nicht mehr viel mit dem residierenden Pfarrer von vor 25 Jahren zu tun hat. „Ich habe schon die Sorge, dass Seelsorge und Glaubensvermittlung zu kurz kommen“, sagt er mit Blick auf die großen Management-Aufgaben an der Spitze eines rund zehnköpfigen pastoralen Teams. Aber die Zusage des Erzbistums macht ihm Hoffnung, dass jeder Pastorale Raum eine hauptamtliche Verwaltungskraft erhalten soll. Positiv ist auch die sofortige Wiederbesetzung der Pastorenstelle in Belecke. Dort zieht Ralf Hubert Bronstert ein, ein Mitbruder, den Gudermann aus seinem Studium kennt – und der nun aus Sundern herüber nach Belecke kommt.

Unabhängig von den strukturellen Veränderungen der Kirche hat sich in der Lebenswelt der Menschen viel gewandelt. „Vielen Menschen ist der Glauben fremd geworden“, weiß Gudermann. Das zeigt sich nicht nur aber auch bei den Kirchenaustritten. In Belecke und dem Möhnetal sank die Zahl der Gemeindemitglieder seit 2008 von 8800 auf 7700 Menschen. Das gesellschaftliche Klima der Kirche gegenüber habe sich gewandelt - auch durch aufgedeckte Missbrauchsskandale oder etwa das Fehlverhalten des früheren Limburger Bischofs Tebartz van Elst. „Das hat uns als Kirche geläutert.“ Bei der praktischen Arbeit vor Ort hat er die Erfahrung gemacht: „Wir kommen immer schwieriger an die Familien heran.“ So ist es beispielsweise bei der Erstkommunion-Vorbereitung. Deswegen ist er überzeugt, dass die Kirche sich auch „ein Stück weit als Dienstleister“ verstehen muss. „Wir müssen unsere Arbeit gut machen und Qualität bieten.“
Dazu dienen ihm heute auch die modernen Kommunikationsmittel wie Internet, Facebook oder WhatsApp. Die lebhafte Mitarbeit der Ehrenamtlichen ist für ihn ein großer Schatz, den es zu bewahren und weiter auszubauen gelte. Ein Lichtblick ist für ihn beisspielsweise die „Junge Kirche“, die einen Zugang zu jungen Familien im Ort schaffe.

Nun steht erst einmal das Silberne Priesterjubiläum an, zu dem Markus Gudermann seine Primiz-Kerze wieder entzündet. Am Sonntag, 11. Juni, 10.30 Uhr, wird dies in der Heilig-Kreuz-Kirche begangen. Die Predigt dazu hält ein alter Freund der Familie, der Steyler Missionar Pater Ludger Müller. Hierbei und bei der anschließenden Feier in der Schützenhalle Belecker freut sich Markus Gudermann über das Kommen eines Jeden.
 


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